EINE RARITÄT DER WÄDENSWILER POSTGESCHICHTE
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1993 von Karl Thoma
«Zürich 4» und «Zürich 6» - die stark vergrösserten, 1843 herausgegebenen ersten kantonalen Briefmarken.
Der erste bekannte frankierte Brief der Schweiz ist am 2. März 1843 in Wädenschweil aufgegeben worden. Der historische Brief war mit einer «Zürich 6» frankiert und an Bezirksarzt Schmid in Richtenschweil adressiert. Der legendäre Brief ist mit Sicherheit vom damaligen Posthalter Jakob Höhn gestempelt und für den Transport bereitgestellt worden. Im Tagesdurchschnitt waren im Jahre 1843 in Wädenschweil zirka 250 Briefe zu verarbeiten.
Der älteste erhaltene, mit einer «Zürich 6» frankierte Brief wurde am 2. März 1843 in Wädenswil aufgegeben, für Bezirksarzt Dr. Johannes Schmid in Richterswil.
In jener Zeit verkehrte täglich − nebst Fussboten und Postwagenkursen − die sogenannte Glarner-Diligence (Kutsche eines Postwagenkurses), mit Abfahrt 08.00 Uhr in Wädenschweil, die den Brief nach Richtenschweil beförderte.
Der erwähnte «Wädenschweiler Brief» befindet sich im PTT-Museum in Bern, wo die grösste Briefmarkensammlung der Welt zu sehen ist. Hier können einzigartige Dokumente aus der Zeit der ersten Briefmarken in der Schweiz bewundert werden. Der «Wädenschweiler-Brief» vom 2. März 1843 steht an der Spitze dieser eindrücklichen Dokumentation.
In den Jahren nach 1843 gaben auch weitere Kantone eigene Briefmarken heraus. Die Kantonalmarken waren nur im betreffenden Kanton gültig. Sie waren noch ungezähnt und mussten mit der Schere aus dem Bogen herausgeschnitten werden. Der Erfolg blieb vorerst bescheiden. Nur zögernd gewöhnte sich eine Minderheit an diese «Postheftpflaster». Viele Leute begegneten der «neuen Mode» mit Misstrauen und Ablehnung. In gewissen Kreisen galt es sogar als unschicklich und für den Adressaten gar beleidigend, Briefe zu frankieren. Denn der Empfänger könnte dies ja als Geringschätzung seiner finanziellen Möglichkeiten auffassen!
Die Kantonalmarken gelten heute als philatelistische Kostbarkeiten, die von Sammlern hochgeschätzt und zu stolzen Preisen gehandelt werden.