Titelseite von Kranichs Reisebericht von 1823.
Kirche und Pfarrhaus Hemberg.
Wädenswil zur Zeit von Christian Friedrich Kranich. Ansicht der Kirche Wädenswil, Aquarell von W. Scheuchzer, 1824.
Von Kranich kritisiert: Heimarbeit am Webstuhl Appenzeller Weberpaar bei der Arbeit am Handwebstuhl. Aquarell von Johannes Schiess, um 1830.
Dies gilt, auch wenn Kranich die «Natürlichkeit» der Erzählung des «unverdorbenen Landmannes» lobt.65 Nun dürfen uns diese Erkenntnisse nicht veranlassen, die Historizität der Schrift ganz zu verwerfen. Man muss sich aber bewusst sein, dass das Geschehene von Kranich in erheblichem Masse stilistisch und poetisch aufbereitet und auf moralische Argumente hin komponiert wurde. Deshalb ist diese Quelle auch vornehmlich für geistesgeschichtliche Studien geeignet. Natürlich enthält sie auch Material, das für wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtliche Fragen interessant ist, und stellt besonders für die allgemeine Lokalgeschichte Wädenswils eine überaus interessante Quelle dar. Dennoch dürfte der Hauptgewinn der Reisebeschreibung für die Geschichtsforschung darin liegen, dass sie die Weltanschauung eines konservativen gelehrten Landpfarrers wiedergibt. Die grosse Bandbreite von theologischen und philosophischen Reflexionen über poetische Passagen, narrative Episoden mit klarer Moral bis hin zur Faktendarstellung mit statistischen Zahlen geht zwar teilweise auf Kosten der Kohärenz von Kranichs Reisebeschreibung, erlaubt aber ein vertieftes Verständnis für die Weltanschauung und die Interessen des Theologen. Doch nicht nur als biographisches Dokument, sondern auch als Zeitzeugnis des Biedermeiers kann dieser Quelle viel für die historische Forschung abgewonnen werden.
Pfarrer Kranichs Arbeitsort: Die Kanzel der reformierten Kirche Hemberg.
Eintrag für Christian Friedrich Kranich im Totenbuch der Kirchgemeinde Hemberg, 1849.
Michael D. Schmid