1549 waren die Erben von Hans Hofmann an einem Kapitalhandel beteiligt, bei dem sie von ihrem Verwandten Hans Hofmann von Herrlisberg einen jährlichen Zins von 25 Pfund erwarben5. Das zum Pfand eingesetzte Herrlisberggut, in welchem wir den restlichen Widumhof sehen möchten, gibt einen guten Einblick in die damaligen Gutsverhältnisse. Neben 60 im wesentlichen als geschlossene Fläche anzunehmenden Ackerjucharten sind als eigentliches Hofgut Wiesen für die Winterung von zwölf Kühen, also eine beachtliche Futterfläche für Rindvieh, erwähnt. Weitere im Umkreis verstreute Ackerparzellen waren 24, 8, 4, 3 und ½ Jucharten gross. Ohne daraus eine verbindliche Hofgrösse ermitteln zu wollen (dies ist für mittelalterliche Verhältnisse aufgrund der Quellenlage ohnehin nicht möglich), zeigt sich doch, dass zwar entsprechend der geographischen Höhenlage ein sichtbarer Schwerpunkt auf der Viehzucht mit Weidebetrieb lag, dass die hiesigen Höfe aber daneben noch einen ausgedehnten Ackerbau mitumfassten, welcher für die Landesversorgung im Mittelalter durchaus wichtig war, aber wegen seiner extensiven Form gegenüber der exportträchtigen Rindviehhaltung mehr und mehr vernachlässigt wurde.
Gerade in dieser Zeit des mittleren 16. Jahrhunderts erscheint Konrad Blattmann aus dem Wädenswiler Berg als erfolgreicher Viehhändler und -exporteur in die kriegsgeschädigten oberitalienischen Lande6. Über Grösse und Beschaffenheit des Oedischwändhofes liegen jedoch für diesen Zeitpunkt noch keine Quellen vor. Lediglich die Familie Hofmann selbst ist nach der Mitte des 16. Jahrhunderts mit verschiedenen Personennamen belegt, welche aber unter sich noch in keinen plausiblen Zusammenhang zu bringen sind. Das Jahrzeiturbar der Kirche Wädenswil von 1555 führt Pali (Paul) Hofmann als Oedischwändbauer auf, während Hans Hofmann der Jung auf Wyden (Widumhof) und die (Gebrüder?) Hans und Jakob Hofmann auf Herrlisberg sassen7.
Zwanzig Jahre später sind im Schlossurbar von 1571 als Eigentümer einer stattlichen Wiese mit zugehörigem Heugaden (Feldscheune) im Umfang von fünf Kühen Winterung in der Oedischwänd Hans Stocker und dessen Ehefrau Margaretha Hofmann erwähnt, welchen 1595/96 Grosshans Hofmann als Zinser nachfolgte8. Die späteren Spuren dieses Zinses führen über Landrichter Heinrich Hofmanns Erben (1705) zu Landrichter und Schützenmeister Jakob Hofmann (1790) und weiter zu den Hottingern auf Unterödischwänd und den Welti auf Oberödischwänd (1848), beide nachweislich Rechtsnachfolger im alten Oedischwändhof. In familiärer Beziehung zu Grosshans Hofmann scheint auch der 1594 im Schlossurbar unter Herrlisberg verzeichnete Zinser Gorius Hofmann gestanden zu haben9. Damit sind die wenigen für die Zeit vor 1600 überlieferten Namen des auf dem Filiationshof Oedischwänd bzw. dem Urhof Widern auf Herrlisberg ansässigen Geschlechtes der Hofmann aufgezählt.
Doppelbauernwohnhaus Ober Oedischwänd Vers. Nr. 1401, Ansicht von Nordosten, 1976. Schwellenschloss in der Nordostecke.
Abort-Erker in der nördlichen Giebelwand.
Jakob Welti | 12 | Anteile |
Jakob Hofmann | 8 | Anteile |
Arnold Hofmann | 8 | Anteile |
Jakob Hottinger | 8 ½ | Anteile |
Heinrich Eschmann | 12 | Anteile |
Johann Hottinger | 11 ½ | Anteile |
Insgesamt | 60 | Anteile |
Dr. Christian Renfer