Über die Kirche Wädenswil bestehen verschiedene kunstgeschichtliche Studien, so jene von Emil Aftergut (1922)1, Josef Killer (1942)2, Hermann Fietz (1943)3, Georg Germann (1963)4 und Adolf Reinle (1966)5. Diese Veröffentlichungen bilden die Grundlage für die folgende Beschreibung des weit über die Gemeinde hinaus bekannten Bauwerks.
Die Kirche Wädenswil bildet im Grundriss ein Rechteck von 36 Metern Länge und 20 Metern Breite. An der westlichen Längsseite ist der Bau durch einen Risalit ausgeweitet. Er springt drei Meter vor und wiederholt für die Breite das Mass von 20 Metern des Grundrechtecks. Vor der Mitte des Risalits steht der Glockenturm. Er hat einen quadratischen Grundriss und beansprucht ziemlich genau einen Drittel der Risalitbreite.
Die beiden Schmalfassaden haben je drei Fensterachsen; die östliche Hauptfassade ist fünfachsig. Ihre drei mittleren Achsen sind unter sich gleich, die beiden äussern merklich breiter. Alle Fassaden sind durch horizontale und vertikale Teilungen gegliedert. Ein hoher, leicht vorspringender Sockel dient als Basis. Darauf ruht ein Hauptgeschoss mit schmalen Rundbogenfenstern. Dicht über deren Scheitel zieht sich ein schmales Gurtgesims hin. Darüber folgt ein Geschoss mit Fenstern, die nach süddeutscher Art oben und unten mit Einzug gerundet sind. Dreigeschossige Eck- und Wandpilaster führen abnehmend breit von unten nach oben.
Über ihren Abschlussgesimsen sind stuckierte Rocaille-Kapitelle angebracht, die in die Kehle des Dachgesimses überlaufen. Das Dach hat einen Längsfirst und ist nach drei Seiten abgewalmt. Über dem Risalit verläuft ein Querfirst, der mit hohem Giebel an den Turm anschliesst. Der Dachstuhl ist ein Meisterwerk der Zimmermannskunst. Er wurde nach den gleichen Grundsätzen konstruiert, nach denen Grubenmann seine Brücken baute. Zwei in sich verzahnte Streckbalken, die von einer Längsmauer zur andern führen, halten das Gewicht der Decke. Zangenähnliche Hängesäulen, die an einem bis knapp unter das Dach reichenden Binder aufgehängt sind, übertragen einen Teil des Gewichts und fangen zugleich die Last des dem Schnee- oder Winddruck ausgesetzten Daches auf. In den Dachflächen sitzen kleine Gauben mit geschweiften Giebeln. Schmiedeeiserne Streben stützen die Wasserspeier an den Ecken des Daches.
In den Mittelachsen der drei Fassaden und im Turmgeschoss führen Eingänge in den Kirchenraum. Die Eingangshalle im Erdgeschoss des Turmes hat ein rundbogiges Portal. Es ist aussen mit einem reich geschmiedeten Gitter geschlossen, das unter anderem mit dem Gemeindewappen verziert ist und aus der Werkstatt des Schlossers Heinrich Diezinger (1765) stammt. Die Podeste und Treppenaufgänge vor den übrigen drei Portalen sind mit polygonal geschweiften, haubenförmigen Vordächern überdeckt, die auf toskanischen Pilastern ruhen. Das Hauptportal – gegenüber dem Pfarrhaus – ist durch eine polygonale, siebenstufige Treppe ausgezeichnet. Über dem Gebälk tragen die Portale stuckierte Rokokovasen mit Blumengehängen. Die einfachen Doppeltüren haben je zwei fast quadratische Füllungen und sind mit Beschlägen verziert. Über dem südlichen Portal und über dem nördlichen Eingang, zu dem eine zweiseitige Freitreppe hinaufführt, findet sich je ein geschmiedetes Oberlichtgitter. Um eine Mittelkartusche gruppieren sich Ranken und Rocaille-Ornamente. Während die Fassaden und der Innenraum barock gestaltet sind, ist der Kirchturm traditionalistisch, gänzlich unbarock. Die rundbogigen Zwillingsfenster gehen letztlich auf romanische Vorbilder zurück; der steile, achtseitige Spitzhelm ist gotisches Erbe. In den vier unteren Turmgeschossen, die durch schmale Gurten geteilt sind, sitzen kleine Rechteckfenster. Das Glockenhaus hat rundbogige Doppelfenster. Die runden Zifferblätter der Uhr sind in leicht geschweiften, spitzen Giebeln angeordnet. Sie haben vier Meter Durchmesser; jede der zwölf Ziffern ist 35 Zentimeter hoch. Der grosse Zeiger misst 1,98 Meter, der kleine 1,76 Meter.