Plan der Gemeinde Wädenswil von Geometer Rudolf Diezinger, 1829/30, Blatt mit Dorfkern (nur in Form einer Fotografie erhalten). Ausschnitt mit dem Gebiet der heutigen See-, Friedberg- und Gerbestrasse. Die Liegenschaften von Gerber Johannes Hauser: ① Alte Gerbe, später Talgarten genannt (Gerbestrasse 2). ② Vorläufer des (abgegangenen) Hauses Goldschmied Hess (Seestrasse 111). ③ Haus Friedberg (Friedbergstrasse 7). ④ Gerbe mit rückwärtigem Anbau (Gerbestrasse 6). ⑤ Trotte und Scheune, nachmals Laden der Gerbe (Gerbestrasse 8). Links unterhalb der Nr. 2 der Komplex des Gasthofes Krone: Referenzort für die damaligen Hausadressen («ob der Krone», «hinter der Krone» etc.).
Um 1830 liess Hauser das Kleinpalais, das er um 1805 an der nachmaligen Friedbergstrasse hatte erbauen lassen, renovieren (Brandassekuranz, sub 1832). Damals war es wohl auch, dass er dem Haus den Namen Friedberg gab (dieser taucht im unten zitierten Dokument von 1834 erstmals auf).
Am 11. November 1834 verkaufte «Herr Cantonsrath Johannes Hauser zum Friedberg» einen Teil seines Liegenschaftsbesitzes an einen seiner Söhne, Leutnant Robert Hauser (gest. 1840), nämlich: «I. ein Haus mit Gerberey darunter Assecurirt sub No 93.a pr. 7500f samt dem hinten daran liegenden Lohplatz […]; II. ein altes Haus, mit Werkstatt daran nächst unten an obigem; III. Ein Grubenplatz mit Gruben darin, nebst der unteren Wasserschwelle im Bach, vorhalb dem Haus, und dem dortigen lauffenden Brunnen. Alles dies an- und beyeinander, ob der Krone im Dorf Wädensweil liegend, ausser dass die Landstrasse zwischen durch führt»; «IV. Zwei Anteile an dem Brunnen bey der Krone»; «V. Ein Garten bey des Verkäufers Garten liegend»; «VI. die Hälfte an sämtlichen im Krähbach liegenden Grundstüken, bestehend namentlich in einer Lohmühle, Stampfe, Lederhammer & Walche, u. einem Wassersammler» und anderes mehr. Der Kauf soll sogleich «in Besitz genommen werden können, u. dazu gehören das sämtliche in der Gerberey vorhandene Gerbergeschirr» (StAZ, B XI 37.52, Grundprotokolle Wädenswil Bd. 22, S. 519–520).
Beim erstangeführten Haus handelt es sich um den Talgarten. Welches Objekt ist aber mit dem unter Ziffer II erwähnten «alten Haus mit Werkstatt» gemeint? Ziemlich sicher das oben erwähnte, seewärts vom Talgarten stehende Haus Ob der Krone 94. Gemäss einer später eingetragenen Randnotiz wurde es später «abgeschlissen u. dafür ein neu Gerbegebäud erbauen». Tatsächlich wird in der Brandassekuranz unter dem Jahr 1836 nicht mehr – wie 1832 – ein Wohnhaus mit Gerbereieinrichtung vermerkt, sondern «1 Gerbegebäude & Werkstatt», und als «Bauart» nicht mehr ¼ gemauert/ ¼ Riegel, sondern nur noch gemauert (StadtAW IV.B.59.10, S. 159). Wir kommen darauf zurück.
Der verbleibende Haupt-Komplex der Gerberei Hauser ging 1841 nach dem Tod von Johannes an die Gerbereifirma respektive an die Firmenbesitzer Karl und Arnold Hauser (1805–1875) und deren Associé Friedrich Luchsinger (Teilhaber bis 1852). Im Grundprotokoll von 1841 werden folgende Bauten und Anlagen genannt (Numerierung vom Verfasser): (1) ein «grosses Gerbereigebäude», (2) ein «Nebengebäude mit Gerberei», (3) ein «Wasch- und Glättehaus», (4) ein Loh- und Grubenplatz mit 50 Gruben», (5) ein «ob der Gerbe» gelegenes «Gebäude mit Laden, Comptoir, Remise und Bestallung», (6) eine «Lohmühle mit Stampf und Hammer im Krähbach» samt Wassersammler (Zitiert nach Ziegler 1961; dort folgender Nachweis: StAZ, Grundprotokoll Wädenswil, Bd. 301, S. 447). Mit der Nummer (1) ist zweifellos das mächtige Haus Gerbestrasse 6 gemeint, mit der (5) die Nummer 8. Unklar ist, auf was sich die Nummern 2 und 3 beziehen. Auf der Rückseite der Gerbe stand zwar ein Nebengebäude, aber nur eines. Möglicherweise diente es teilweise als Waschhaus-, teilweise als Gerbereiwerkstatt.
Nicht genannt sind in der obigen Auflistung die Ländereien, die zur Firma gehörten. 1842 verkauften die Inhaber der Gerberei verschiedene davon, so Grundstücke jenseits der neuen «Sihlbruggstrasse» (heutige Zugerstrasse) und solche in der Nähe des Hirschenplatzes (Ziegler 1961).
Der Friedberg scheint im Besitz nicht der Firma, sondern der gesamten Erbengemeinschaft geblieben zu sein; anfang 1842 verkaufte diese das Haus an den Bruder und Schwager Julius Hauser (gest. 1853).
Wo wohnte Johannes Hauser?
Gerne hätte man nun gewusst, in welchem seiner Häuser Johannes Hauser (1776–1841) wohnte. Wie erwähnt, ging er 1801 eine zweite Ehe ein und wurde 1815 mit 39 Jahren zum zweiten Mal Witwer. Ob er, der inzwischen für eine grosse Kinderschar verantwortlich war, noch ein drittes Mal geheiratet hat, ist abzuklären.
Die Tatsache, dass Hauser um 1805 an der nachmaligen Friedbergstrasse einen Kleinpalast erstellen liess, hat zur Annahme geführt, er sei mit seiner Familie aus dem Talgarten in den Neubau gezogen. Bedenkt man aber, dass der Neubau in der Brandassekuranz zunächst als Nebengebäude bezeichnet wird und dass die Familie Hausers mit den männlichen und weiblichen Bediensteten eine grosse Gemeinschaft formierte, möchte man doch annehmen, dass Hauser und seine Familie zunächst im Talgarten blieben (der ja eben um diese Zeit um einen Nordflügel erweitert wurde) und den nachmaligen Friedberg bloss als gross dimensioniertes Garten- und Gästehaus nutzten.
Als Hauser nach 1810 die Planung eines Neubaus an die Hand nahm, dürfte er diesen nicht nur als neuen Haupt-Betriebsstandort, sondern auch als Wohnhaus für seine Familie konzipiert haben. Die Gerbe war 1814 im Wesentlichen fertiggestellt, aber Hausers Frau Elisabetha kränkelte damals – wahrscheinlich fand der Umzug erst nach ihrem 1815 erfolgten Tod statt. Als der Chronist der Lesegesellschaft 1828 Johannes Hauser als Kandidat für eine Zehntenloskaufskommission und für den Gemeinderat erwähnte, fügte er dem Namen die Bezeichnung «in der Gerbi» bei. Wenn damit nicht die Alte Gerbe (nachmals Talgarten) gemeint ist, ist das ein Hinweis darauf, dass Hauser im Grossbau Gerbestrasse 6 wohnte (Chronik Lesegesellschaft, S. 333).
1833 und 1842 redet der Chronist zwei weitere Male von Johannes Hauser «in der Gärwe» bez. «in der Gerwe», das erste Mal im Zusammenhang mit seiner Wahl zum Grossrat, das zweite Mal in einem Lebensrückblick aus Anlass des 1841 erfolgten Ablebens (Chronik Lesegesellschaft, S. 395 und 480).
Es gibt aber starke Indizien dafür, dass Hauser im letzten Jahrzehnt seines Lebens nicht mehr in der Gerbe, sondern im Haus Friedberg (Friedbergstrasse 7) wohnte. In einem Verkaufsdokument von 1834, auf das wir gleich zurückkommen, ist nämlich von «Cantonsrath Johannes Hauser zum Friedberg» die Rede. Und so nennt ihn 1842 auch der Chronist der Lesegesellschaft in einem Nachtrag zu einer Notiz von 1833, in der es um die Entfernung eines Steinbrockens aus dem nachmaligen Reblaubenweg geht: 1842 sei dieser sei dieser «zum Grabstein von Johannes Hauser zum Friedberg ausgearbeitet» worden und stehe jetzt «auf dessen Grab im hiesigen Friedhof» (Chronik, S. 395).
Schauen wir auf die Vita Hausers, stellen wir fest, dass die Zeit nach 1830 für ihn in verschiedener Hinsicht einen Umbruch bedeutete. Die 1831 geschaffene neue Kantonsverfassung, die der Restauration und der Vorherrschaft der Stadt ein Ende setzte, muss für ihn eine grosse Genugtuung bedeutet haben. 1833 liess er sich zum Grossrat wählen. Zuvor hatte er, der – angeblich wegen einer Schwägerin – St.Galler-Bürger geworden war, sich im Kanton Zürich wieder einbürgern lassen (Chronik Lesegesellschaft, S. 395). Um 1830 veränderten sich aber auch die Familienverhältnisse. Der – wie sein Bruder Carl – in der Gerbe wohnhafte Arnold (1805–1875) heiratete und bekam ab 1831 Kinder. Für Johannes Hauser war es an der Zeit, Verantwortung abzugeben. Dass er das tun wollte, zeigt sich darin, dass er im November 1834 den Talgarten, das Haus Seestrasse 111 und einen Garten an seinen jüngeren Sohn Robert verkaufte. Es ist eben dieses Dokument, in dem Hauser die Bezeichnung «zum Friedberg» trägt – eine Bezeichnung, die zugleich das erste Zeugnis für den Hausnamen Friedberg ist (StAZ, B XI 37.52, Grundprotokolle Wädenswil Bd. 22, S. 519–520).
Vergegenwärtigen wir uns, dass die Brandassekuranz 1832 das Haus, das heute die Adresse Friedbergstrasse 7 trägt, als «neu renovirt» bezeichnet und als Wohnhaus (statt als Nebenhaus) qualifiziert, bietet sich folgende These an: Beschwingt von der politischen Neuordnung und von der Ankunft von Enkeln, baute Hauser das Haus an der Friedbergstrasse zu einem «Stöckli» um und zog in dieses um. So hatten die Söhne Carl und Arnold in der Gerbe mehr Platz für Ihre Familien, und der Vater hatte einen Wohnsitz, der seinem neuen Status als Kantonsrat gerecht wurde. Indem er das Haus – vielleicht im Sinn einer Hommage an den St. Galler Politiker Karl von Müller-Friedberg (1755–1836) – «Friedberg» taufte, konnte der nunmehrige Kantonspolitiker sich als «Johannes Hauser zum Friedberg» präsentieren.